Der Nidwaldner Läufer Florian Lussy musste seine Studienzeit in den USA abbrechen. Jetzt will er hoch hinaus mit dem Ziel: Anschluss an die europäische Spitze.
Neue Luzerner Zeitung, Franz Hess

Der gelernte Sportartikelverkäufer Florian Lussy studierte seit 2016 an der University of North Texas, USA, Recreation, Event and Sportmanagement. Nun musste er wegen der Coronakrise seine Zelte frühzeitig abbrechen. Jetzt ist der 26-Jährige zurück in Oberdorf, wo er – den Umständen entsprechend, im Engelbergertal trainiert.

Wie haben Sie die Coronawelle erlebt?

Florian Lussy: Ich habe mitverfolgt, wie es in Europa läuft, so konnte ich erahnen, was auf uns zukam. Zuerst wurde mein erstes Meeting der Saison nach nur wenigen Disziplinen abgebrochen. Wenige Tage später folgte die offizielle Absage der US-Bahnsaison. Im akademischen Bereich ging es dann noch einige Tage weiter, bevor ich wusste, dass ich mein Studium auch von der Schweiz aus beenden kann. All meine Klassen werden online angeboten und so werde ich im Mai meinen Bachelor abschliessen können.

Beim Packen musste es aber schnell gehen.

Ich hatte gerade mal 20 Stunden, um meine Wohnung abzugeben und mich von all meinen langjährigen Freunden zu verabschieden. Das hatte ich mir schon etwas anders vorgestellt.

Wie gestalten Sie Ihren Aufenthalt in der Schweiz?

Nach meiner Rückkehr habe ich mich zuerst in Selbstisolation begeben. Ich wollte einfach sicher gehen, dass meine Familie in Ordnung ist, falls ich infiziert sein sollte. Ich trainierte zwar, verbrachte aber den Rest der Zeit in voller Isolation. Nun habe ich dies etwas gelockert und geniesse es auch mit meiner Familie wieder am selben Tisch zu essen.

Wie sieht Ihr Trainingsalltag aus?

Wegen der Ungewissheit der Wettkampfsaison habe ich mich entschieden, einen grossen Basisblock einzulegen. Dies bedeutet generell 9 Lauf- und 2 Krafteinheiten mit etwas mehr als 140 Kilometern pro Woche. Hinzu kommen Einheiten zur Verletzungsprophylaxe.

Und wie richten Sie sich nun beruflich aus?

Bis Mitte Mai bin ich noch Student, dann möchte ich etwas finden, das es mir erlaubt, sportlich den nächsten Schritt zu schaffen. Mein Ziel ist der Anschluss an die europäische Spitze. Optimal wäre es, als Vollprofi trainieren zu können. Doch dafür muss ich zuerst einige starke Sponsoren finden. Die Covid-Pandemie kommt mir zwar nicht entgegen, aber ich bin sicher, einen Weg zu finden, meine Träume zu verwirklichen.

Sind Sie mit Ihren Schweizer Leichtathletikfreunden wieder in Kontakt?

Ich habe immer versucht, den Kontakt aufrechtzuerhalten. So trainierte ich in den letzten zwei Sommern zum Beispiel für je einen Monat in St.Moritz. Zudem habe ich mich während meiner Aufenthalte in der Schweiz einige Male mit Läufern aus anderen Regionen für Trainings getroffen. Ich freue mich aber schon sehr, dies nach Covid wieder vermehrt zu tun.

Welche sportlichen Ziele haben Sie sich in der Schweiz gestellt?

Generell ist es mein Ziel, das Beste aus mir herauszuholen. Diese Einstellung hilft mir motivationstechnisch gerade jetzt sehr. Trotz der unsicheren Lage bin ich aktuell äusserst motiviert und geniesse den Trainingsprozess, da ich weiss, dass ich immer schneller werde. Langfristig will ich mich zu einem der besten Langstreckenläufer in Europa entwickeln und werde sicher vermehrt auf der Strasse an Wettkämpfen antreten. In diesem Zusammenhang wird auch der Crosslauf weiterhin ein wichtiger Teil bleiben.

Ist die Leichtathletik-EM von Ende August für Sie ein Thema?

Es ist noch nicht klar, ob weder Qualifikationsrennen noch die EM ausgetragen werden. Deshalb habe ich entschieden, einen soliden Trainingsblock einzulegen und über kommende Wettkampfeinsätze zu entscheiden, wenn sich die aktuelle Lage etwas beruhigt hat.

Welche Gefühle haben Sie aufgrund der vielen abgesagten Wettbewerbe?

Für meine sportliche Karriere wäre es für mich natürlich äusserst wichtig gewesen, eine gute Bahnsaison laufen zu können, denn die persönlichen Bestzeiten sind ein essenzieller Teil unseres Sports und ein wichtiges Argument, um Sponsoren zu finden. Doch schliesslich kann ich die Situation nicht ändern und versuche, den Fokus auf die Bereiche zu legen, die ich selber beeinflussen kann.

Wie erleben Sie die Coronakrise persönlich?

Es ist aus meiner Sicht eine interessante Zeit. Natürlich ist diese Krise eine Herausforderung für unsere Gesellschaft, doch ich glaube, es ist auch eine Chance, einen Schritt vorwärtszumachen. Ich habe in den vergangenen Wochen an vielen Fronten Innovation gesehen, die wir auch nach dieser Krise weiter nutzen können. Ich bin gespannt, wie sich dies langfristig auf unser Zusammenleben auswirkt.